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Der Ursprung der neuen Arbeitswelt sind Schulen und Universitäten. Nur wenn wir das Bildungssystem vollständig neu denken, wird die neue Arbeitswelt Realität.

 

“Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.”

Diese Volksweisheit bemühen Lehrer, wenn Schüler den Sinn von etwas nicht verstehen, das sie lernen sollen. In der Redensart steckt aber eine viel tiefergehende Wahrheit. Die Schule bereitet uns in einer umfassenderen Weise auf das Leben vor, als Lehrern und Schülern vielleicht bewusst ist. In den Schulen wird nämlich mehr unterrichtet als die Gesetze der Energieerhaltung, der Ablauf der Französischen Revolution und das Leben der Forelle. Lehrer und Schüler lernen, in voneinander getrennten Fächern zu denken. Sie trainieren die Merkfähigkeit bis zum Zeitpunkt der Prüfung, um danach wieder alles zu vergessen. All das wird schließlich benotet, um zu sehen, wer das System am besten beherrscht. Mit diesen Fähigkeiten kommen junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, wo sie ähnliche Bedingungen erwarten. Der brasilianische Unternehmer Ricardo Semler wollte dies verändern und stieß auf Widerstände. Viele Menschen waren für seinen neuen Ansatz noch nicht bereit. Da er in der Schulen die Ursache für diese Schwierigkeiten sah, gründete er kurzerhand eine eigene und gestaltete sie nach seinen Vorstellungen. In seinem TED-Talk berichtet er von seinen Erfahrungen, die er dabei machte.

 

 

Die Arbeitswelt bildet das Schulssystem ab

In der modernen Arbeitswelt ist fast alles so wie in der Schule: die tägliche Anwesenheitspflicht, streng definierte Abläufe, getrennte Abteilungen und Zuständigkeiten. Es ist nicht nötig über sich einen konkreten Arbeitsauftrag hinaus Gedanken über das große Ganze zu machen. Der Aufbau einer Firma gleicht dem von Schulen. An der Spitze steht ein Direktor, unter ihm eine Reihe von Ausbildern und schließlich die große Menge der Ausführenden. Dieser pyramidale Aufbau ist charakteristisch und wurde mit der Bologna-Reform schließlich auch auf die Universitäten übertragen. Seitdem sind die Strukturen dort viel starrer und klar vorgegeben. So wurde aus den Institutionen für freie Bildung eine Verlängerung der Schulen, in denen Eigeninitiative und Selbständigkeit nicht mehr gefördert wird.

Der kleine Unterschied zwischen Theorie und Wirklichkeit

Auf der anderen Seite ist in der Arbeitswelt aber bereits jetzt vieles nicht wie in der Schule. Die Arbeitnehmer und Verantwortlichen in der Wirtschaft sind nicht nur mit Gleichaltrigen konfrontiert, im Vergleich zu denen sie besser sein müssen. Die eigentliche Herausforderung ist es, das Wissen und die besondere Erfahrung älterer wie jüngerer Menschen zu achten und Möglichkeiten zum Austausch zu schaffen. Die “Digital Natives” können ebenso viel Fähigkeiten weitergeben, wie sie von der Erfahrung und dem Wissen älterer Mitarbeiter profitieren können. Manche Aufgaben im Arbeitsalltag sind vielleicht unnötig oder ineffizient gestaltet. Das erkennt nur, wer das Ganze überblickt und in größeren Zusammenhängen denkt. Befehle und Anweisungen, die von “weiter oben” kommen, können korrekturbedürftig sein. In hierarchischen Strukturen sind Vorgesetzte oder Chefs aber von den Mitarbeitern getrennt. Ihnen auf Augenhöhe zu begegnen ist dadurch nur schwer möglich, weil durch die unterschiedliche Machtposition Ängste mit ins Spiel kommen.

Die neue Arbeitswelt: Ein gesamtgesellschaftliches Großprojekt

Die nötigen Veränderungen, die Voraussetzung für die neue Arbeitswelt, sind also umfassend. Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Unternehmen. Ein Umdenken muss ebenso in der Politik stattfinden. Dort ist das Thema Bildung zwar Wahlkampf sehr beliebt, tatsächliche Reformen oder gar “Revolutionen” eher schwierig. Dass solche Projekte nicht unmöglich sind, bewies Finnland vor Kurzem, als es kurzer Hand die „Fächer“ in Schulen abschaffte. Auch private Initiativen sind denkbar – das Schulkonzept von Ricardo Semler beispielsweise gibt es gratis und er ruft jeden dazu auf, es zu kopieren. Bis die ersten Kinder in den Genuss neuer Schulsysteme kommen, könnte noch einige Zeit vergehen.

Entsprechend noch mehr Zeit dauert es, bis die Absolventen neuer Schulen auf den Arbeitsmarkt kommen. Gerade weil die neue Arbeitswelt also ein auf mehrere Generationen angelegtes Projekt darstellt, ist es höchste Zeit, mit den Veränderungen anzufangen.

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